Hautirritationen durch Pflaster von CGM/FGM Systemen

Hautirritationen durch Pflaster von CGM/FGM Systemen

Heute werfen wir einen Blick auf das Thema Hautirritationen bei Verwendung von CGM- oder FGM-Systemen. Systeme zur kontinuierlichen Glucoseüberwachung werden auch hierzulande immer beliebter. Grund dafür ist der Mehrwert, den diese Systeme den Nutzer_innen bieten. Im Gegensatz zu einzelnen Messungen, die nur eine Momentaufnahme des Glucoseverlaufs bieten, können CGM- und FGM-Systeme den Verlauf der Glucosekonzentration kontinuierlich aufzeichnen und darstellen. Dies erlaubt einen wesentlich genaueren Blick auf die aktuelle Therapieeinstellung und ermöglicht eine punktgenaue Anpassung der Insulindosierung. Darüber hinaus bieten einige Systeme, neben Alarmen bei zu hohen oder zu niedrigen Glucosewerten, die Möglichkeit der Fernüberwachung. So können Eltern den Glukoseverlauf ihres diabetischen Kindes bequem im Auge behalten, während das Kind in der Kita oder Schule ist, und ggfs. frühzeitig eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Ein nicht zu verachtender Zugewinn an Sicherheit. Nachdem einige der Systeme endlich in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wurden, kommen nun auch mehr Menschen in den Genuss der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Schöne neue Welt, könnte man meinen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten – Hautirritationen

Hautirritationen nach Sensornutzung

Hautreaktion nach Sensor Nutzung

Neben aller Freude über die Möglichkeiten, die CGM-/FGM-Systeme bieten, tauchen in den letzten Monaten immer wieder Meldungen über Hautirritationen auf, hervorgerufen durch die Nutzung der Sensoren solcher Systeme. Einige Anwender klagen über starken Juckreiz und starke Rötungen bis hin zu entzündungsähnlichen Wunden an der Haut unter dem meist mit einem speziellen Pflaster auf der Haut befestigten Sensor. Fatalerweise treten diese Hautreaktionen nicht sofort auf, sondern oft erst nach einigen Monaten problemloser Nutzung. Lange Zeit war nicht klar, was der Auslöser dieser Hautreaktionen ist. Inzwischen ist man relativ sicher, dass der Übeltäter im verwendeten Pflaster bzw. im Klebstoff, der das Gehäuse mit dem Pflaster verbindet, zu suchen ist. Angesprochen auf diese Problematik reagierten die Hersteller bislang sehr zurückhaltend und verwiesen auf die sehr geringe Anzahl von Problemfällen gemessen an der Gesamtzahl aller Nutzer. Informationen zu der Zusammensetzung oder den Inhaltsstoffen von Pflaster oder Kleber waren den Herstellern nur sehr zögerlich zu entlocken. Da diese Komponenten oft von Zulieferern bezogen würden, sei eine Veröffentlichung der Inhaltsstoffe aus Gründen des Markenschutzes nicht möglich, lautete die wenig zufrieden stellende Antwort. Um eine Lösung für dieses Problem zu finden, waren die Nutzer_innen also zunächst auf sich alleine gestellt. Es wurde versucht, eine möglichst wirksame Barriere zwischen Sensorpflaster und Haut zu finden. Da aber nicht jede Haut gleich ist, gibt es hier bisher zwar vielversprechende Methoden, aber noch keine allgemein gültige Lösung.

Schlimmer geht immer – Kreuzallergien

Wer jetzt denkt „Wenn ich auf die Pflaster der Sensoren allergisch reagiere, kann ich das System eben nicht nutzen“, macht sich die Sache zu einfach. Denn leider gibt es bei dieser Thematik einen zusätzlichen unangenehmen Nebeneffekt. Ist nämlich eine solche Hautirritation – Fachleute reden hier von einer Kontaktallergie – einmal in Gang gesetzt worden, bleibt sie in der Regel lebenslänglich bestehen. Im schlimmsten Fall können sich sogar sog. Kreuzallergien entwickeln und dafür sorgen, dass auch Pflaster, mit denen man bisher gar keine Probleme hatte, Hautirritationen hervorrufen. Gerade Anwender_innen von Insulinpumpen trifft dieser Umstand besonders hart, wenn plötzlich auch die Pflaster von Infusionssets diese Reaktionen auslösen. Dies kann zu Entzündungen der Infusionsstelle und damit zu einer
verschlechterten Insulinresorption führen. Im schlimmsten Fall können die benötigten Katheter nicht mehr verwendet und die Insulinpumpentherapie nicht fortgesetzt werden. Bedenkt man, dass ein Großteil der Anwender_innen solcher Systeme diese immer noch aus eigener Tasche bezahlt, ist der Ruf nach einer herstellerseitigen Lösung umso verständlicher. Die Veröffentlichung der Inhaltsstoffe bzw. deren Zusammensetzung wäre hier ein erster Schritt und ein wichtiges Signal seitens der Hersteller.

Interview mit Dr. Stefanie Kaman

Auf dem T1Day und der Diatec in Berlin wurde dieses Thema von Dr. Jens Kröger und Frau Dr. Stefanie Kaman erläutert. Dort hatte das T1Team Gelegenheit, mit Dr. Kaman ein Interview zu führen.

Weitere Informationen

Eine Liste aus Dr. Krögers Vortrag mit möglichen Massnahmen zur Vermeidung solcher Hautreaktionen findet ihr in unserem Forum.

1 Kommentar

  1. […] Nachtrag: Auf dem T1day konnte ich für das T1team ein Interview mit Dr. Stefanie Kaman zum Thema Hautirritationen führen. Dort erläutert Sie das Problem sehr anschaulich und verständlich. Hier gehts zum Interview […]

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