Brauchen auch Typ1er eine Diabetespille?

Brauchen auch Typ1er eine Diabetespille?

Forschung zeigt HbA1c-Reduktion und Gewichtsverlust bei Menschen mit Typ1-Diabetes

Bei Typ1-Diabetes muss Insulin zugeführt werden, wenn der Körper dies nicht mehr selber produziert, um den Blutzucker stabil zu halten. Warum also zusätzlich zum Insulin noch eine Pille? Und was ist das genau für ein Medikament? Hier die ersten Ergebnisse von Studien dazu:

Die Pille heißt Sotagliflozin und gehört zu den SGLT-Inhibitoren, ein typisches Medikament in der Typ2-Therapie. Sotagliflozin ist ein dualer SGLT-Inhibitor, was bedeutet, dass dieses Medikament zwei getrennte Mechanismen anspricht: SGLT-1 und SGLT-2. Der SGLT-1-Inhibitor verzögert die Absorption von Glukose im Darm, was hilft, den Anstieg des Blutzuckers nach einer Mahlzeit „zu glätten“, also nicht zu stark ansteigen zu lassen. Anschließend hilft der SGLT-2-Inhibitor in den Nieren dabei, überschüssige Glukose auszuscheiden, was dazu beiträgt, den Blutzuckerspiegel zu senken.

Aktuell zeigen mehrere Studien (Tandem 1-3) Ergebnisse zur Wirksamkeit auf den HbA1c und das Gewicht der Typ1-Patienten, die Sotagliflozin zusätzlich zum Insulin verwendeten. Dabei wurden unterschiedliche Dosierungen gegeben: Entweder 200 oder 400 mg Sotagliflozin oder ein Placebo, also eine Pille ohne jede Wirksamkeit. Ziel der Studien war es, den HbA1c-Wert innerhalb von sechs Monaten unterhalb von 7% zu senken. Dies gelang bei 44% der Patienten in der 400 mg-Gruppe und bei 34% derjenigen, die 200 mg Sotagliflozin erhielten – ohne dass dies auf Kosten einer Zunahme von schweren Hypoglykämien (niedriger Blutzucker) ging. In der Placebo-Gruppe gelang dies nur bei 22% der Patienten.

Auch das Körpergewicht wurde durch das Sotagliflozin beeinflusst: Bei der höchsten Dosis von 400 mg verloren die Patienten durchschnittlich 6 Pfund über 6 Monate im Vergleich zu 3,5 Pfund bei 200 mg Sotagliflozin. In der Placebo-Gruppe haben die Patienten durchschnittlich 1,8 Pfund Körpergewicht hinzugewonnen.

Es gab auch Nebenwirkungen: eine leicht erhöhte Gefahr von Ketoazidosen trat bei 3% der Patienten auf und erhöhter Harndrang bei fast allen.

Noch ist Sotagliflozin nicht im Handel erhältlich und muss in den USA zunächst von der dortigen Gesundheitsbehörde (FDA, Food & Drug Administration) zugelassen werden. Trotzdem ist die Aufregung bei führenden Gesundheitsdienstleistern und Krankenkassen groß, denn wenn Sotagliflozin zusätzlich zum Insulin gegeben wird, kann dies Menschen mit Typ1-Diabetes dabei helfen, den Blutzuckerspiegel konstanter zu halten und – idealerweise – auch die Menge an Insulin, die benötigt wird, zu reduzieren.

 

Frei übersetzt aus: DiaTribe

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